Überfahrt Gibraltar -> Kanaren

Gibraltar – Lanzarote

Gänsehaut pur der Gedanke, ca. 5 Tage auf dem großen Atlantik fern der Küsten unterwegs zu sein. Tröstlich ist, dass nach etwas näherem Kennenlernen alle Skipper von dem gleichen Gefühlscocktail berichten.

Also machen wir, was viele vor uns erfolgreich geschafft haben, wir gehen die Checkliste für die Passage der Meerenge von Gibraltar durch:

Zuerst das “ Wetterfenster“. Bei Tarifa wird der Golf eng. Da müssen nicht nur Schiffe durch, sondern und das ist viel wichtiger, Wind und Wasser müssen durch. Das bedeutet, dass man mit einem Segelboot nur halbwegs gut durchkommt, wenn die Strömung nicht ins Mittelmeer fließt, sondern steht oder in den Atlantik fließt. Da gibt es Gezeiten und Strömungskalender. Die werden befragt. Schön ist es, wenn dieser Zeitpunkt, den der Mond bestimmt, so am späten Vormittag liegt. Denn der Weg von der Marina bis zur Meeresenge ist zu beachten, will man zur rechten Zeit am Ort sein. Und nachts ablegen ist doof. Soweit das Wasser.

Der Wind ist etwas komplizierter. Klar, er sollte irgendwie mit einem und nicht vom Atlantik kommen. Dann geht es nämlich nur unter Motor raus. Wäre blöd. ABER: Zu stark darf er auch nicht sein, denn durch die enge Passage zwischen Afrika und Europa wird dort schnell aus leichtem Wind Sturm. Wäre extrem unangenehm.

Also für uns zeichnete sich der 29.09.18 als geeignet ab: Abfahrtszeit ( Stillwasser ) ca. 9:00 Uhr.

Wind bis 25 kn also gut machbar.

Dazu kommt natürlich Proviant, Diesel auffüllen, Boot technisch überprüfen, das alles in Ordnung ist.

Geplant getan. Mit der Dude zusammen in der Marina bezahlt (voll korrekt) und abgelegt.

Die Ausfahrt aus der Bucht ging locker. Zwei Schnellfähren bringen uns nicht aus dem Konzept. AIS sei dank!

Aber: Puh 😅 in der Meeresenge hätten wir doch gerne etwas weniger Segel gehabt und unser Reffversuch war eine Katastrophe! Aber wieder was gelernt und hinter der im Sauseschritt passierten Enge wieder alles gerichtet. Unsere BabyLagoon kann was ab!

Zack und wir sind nicht mehr im Mittelmeer sondern auf dem Atlantik. Was merkt man? Es ist kälter, besonders das Wasser und es hat nicht mehr diese kleine hektische Mittelmeerwelle.

So sind wir dann in das Abenteuer gestartet.

Die Dude hat uns jetzt für gut ein Jahr verlassen, aber wir freuen uns schon jetzt auf das Wiedersehen mit Daniela und Olaf. (macht es gut, wir vermissen euch und das Gequatsche auf der Überfahrt, euch wünschen wir eine tolle Zeit in Portugal!) Ricki und Martin werden wir sicherlich unterwegs treffen. Die werden noch etwas die afrikanische Küste besuchen und dann auch auf die Kanaren kommen. Schön so!

Witzig, da kam eine Jacht in der sich öffnenden Meerenge auf uns zu. Die SY Gini unter deutscher Besatzung. Ich dachte schon, die rammen uns! Aber Quatsch.

Kurz gefunkt, Photos gemacht und diese ausgetauscht. Super! 👍 Alles unterwegs!

Und dann treffen sich kurzzeitig Schiffe, die schon auf dem Weg hierhin einmal unseren Weg gekreuzt haben. Das wird sicherlich jetzt öfters vorkommen. Denn so viele wagen den Sprung übern Teich ja nicht!

Flott ging es weiter, guter Wind und 6 kn Fahrt. Da kann man nicht meckern.

Aber dann schlief der Wind ein. 2 kn Fahrt, das geht ja gar nicht. Also den Jockel an und mit einer Maschine, 1500 Touren und 5 kn Fahrt weiter Richtung Kanaren 🇮🇨. Nach dieser ersten brummeligen Nacht konnten wir morgens wieder die Segel setzen. Aber wirklich flott war es nicht.

Heute Nacht werden wir wohl wieder motoren. Jetzt um 18:00 Uhr haben wir 182 nm geschafft. 464 nm liegen noch vor uns. Auf Steuerbord fährt parallel ein anderer Katamaran. Die Fitti aus Kroatien 🇭🇷. Sind aber auch nicht flotter unterwegs.

So, schaun wir mal wie die zweite Nacht wird. Prognose: ruhig evtl. wieder Motor.

2.Tag

Ja, die Nacht war ruhig. Schließlich sind wir wieder mit Motor gezockelt. Zu langsam ist nicht lustig. Da kommt der Kat schnell vom Kurs ab und ewig auf dem Atlantik, nee muss nicht sein.

Die Tiffi hat dann noch nachts noch unseren Kurs in wenigen Metern gekreuzt. Die sind mit Parasailor unterwegs, ohne vernünftige Beleuchtung und ohne Funkwache. Haben das Deckslicht angemacht und dann Ruder rum. Schon etwas unnötiger Stress in der Dunkelheit. Aber alles gut.

Unser Schichtsystem funktioniert ganz gut. Aber anstrengend ist es schon: kurze Schlafperioden und immer eine leichte Anspannung, ob alles so richtig ist.

Jetzt haben wir seit ein paar Stunden den Spinnaker gesetzt. Das ist ein sehr ruhiges Fahren und der Wind kommt mit ca. 8 – 12 kn mit 130°rel. aus Steurbord. Also geht so. Wir machen so etwas über 5 kn Fahrt.

Das ist o. k.

Heute ist es angenehm warm, leicht bedeckt. Also recht entspannt.

Andere Schiffe sind selten. Mal ein paar Frachter, mal ne Fähre. Mehr brauchen wir nicht.

Zur Auflockerung gibt es heute Kaffee und Kuchen. Das indische Cheese-Nan und Special-Nan vom Inder Khan aus Gibraltar ist fast verputzt. War eine gute Entscheidung dort noch etwas für unterwegs mitzunehmen. Außerdem hatten wir dies mit einem schönen „Vorgeburtstagsessen“ beim Argentinier verbinden können.

War echt lecker und ein schöner Abschiedsabend. Und die Geschenke und herzlichen Wünsche haben mich gerührt.

So, jetzt ist Apfelkuchen angesagt.

Da sind wir jetzt⛵️😊.

3.Tag

Heute Nacht haben wir die Genua gesetzt und den Motor mitlaufen lassen. Das sichert uns die Geschwindigkeit von ca. 5 kn. Im Salon haben wir den Tisch abgesenkt und eine Kuschelecke gebaut.

Damit ist die Nachtwache sehr angenehm. Lesen, Hörbuch, Video und alle 15 Minuten alles kontrollieren.

Am Morgen haben wir dann bei 17 kn den Spinnaker gesetzt. Damit haben wir gut 6 kn Fahrt mit Atlantikwelle 1,5 m.

Gerade ist der Containerfrachter Violetta an uns vorbei gefahren.

Er fährt noch zwischen den beiden anderen Segelbooten durch. Ich habe ihn kurz per DSC angefunkt, mich für den angenehmen Abstand bedankt und nach dem Wetter gefragt. Die Prognose für die nächsten 3 – 4 Tage: 12 kn Wind und Welle max. 1,5 m. Schön und beruhigend. Aber wir staunen trotzdem manchmal über unseren Mut.

Frühstück und Duschen stehen an und dann genießen wir den sonnigen Tag 😊😎

Heute mal eben schnell etwas Trinkwasser gemacht. Die Anlage läuft super 👍 100 l/h nur über Solarenergie, was will man mehr!

Ja, so geht der Tag rum. Wir düsen flott unter Spinnaker und beobachten die anderen Boote im AIS.

Die Segelyacht Matisa aus Österreich dreht bei. Ein Grund einmal anzurufen. Die haben Probleme mit dem Autopiloten und müssen manuell steuern. Da ist eine Pause angesagt. Ziel ist wie bei uns Lanzarote. Wir wünschen Glück und Durchhaltevermögen.

Der Wind lässt wieder nach und die See wird ruhiger. Schön so!

Die Planung für den Abend und die Nacht ist gemacht. Beide noch etwas schlafen. Dann gibt es Spaghetti 🍝 mit Hack. Ab 21:00 Uhr geht wieder unser Schichtsystem los. 3 h Wache, 3h 💤. Wenn an den Segeln nichts zu machen ist und keine wilden Manöver in der Nähe stattfinden geht das ganz gut. Wir beherzigen den Tipp von Beate aus Cartagena und versuchen tagsüber so viel wie möglich zu schlafen. Das hilft ungemein.

Unendliche Weite:

Das ist die ruhige Abendstimmung heute um 18:00 Uhr MESZ.

Pünktlich zur ersten Nachtwache dreht der Wind etwas seitlicher ein. Wir bergen den Spi und fahren mit gereffter Genua entspannte 4 – 5 kn.

Das könnte eine sehr entspannte Nacht werden. Schaun wir mal.

Denkste. Gegen 23:00 🕚 näherte sich der Frachter Pola Murom. Er beabsichtigte mit 0,2 nm Abstand uns zu passieren. Ist für den Atlantik etwas knapp. Die Kapitana funkte ihn an und darauf änderte er seinen Kurs und passierte uns mit gut 1 nm Abstand. Geht doch!

Kleine Überraschung um 01:00. Der Autopilot dreht munter das Rad um 90° nach links und rechts. Immer wieder.

Kurz alle Systeme abgeschaltet und neu gestartet und alles läuft wieder wie es soll. Merkwürdig! Ist halt auch nur ein Computer 💻.

4. Tag

Um 8:47 Uhr ist die Nacht vorbei, die Sonne geht auf und die Solarpaneele beginnen mit der Ladung der Batterien. Auf 58% sind wir über Nacht abgesackt. Das Kochen am Abend zieht doch den Ladezustand kräftig runter und da der Autopilot bei dem Schwell kräftig arbeitet, laufen ca. 11 A permanent aus den Batterien raus.

Jetzt planen wir mal nach dem Frühstück 🍳, wie wir das geschickt hinbekommen, am Donnerstag so gegen Mittag die Marina Rubicon im Süden von Lanzarote zu erreichen. Da müssten wir heute etwas Gas geben, über Nacht wieder bummeln und morgen zügig die Küste von Lanzarote entlang rutschen. 😊⛵️😎

So schauts aus, wenn wir durch dieses glasklare Wasser zischen.

Frühstück ist wichtig. Heute gibt es doppeltes Spiegelei mit Speck und Käse. Das stärkt für den Tag.

Ach, auf dem Bild sieht man die rote Siliconfolie. Die legen wir auf die Induktionsplatte. Damit bleibt die Pfanne auch bei Seegang, wo sie stehen soll. Das ist übrigens eine Backfolie!

Kanaren-Törn = Spinnaker-Törn

Kurz vor 11:00 Uhr haben wir Groß und Genua eingeholt und den Spi hochgezogen. Das geht mittlerweile recht flott und ohne Stress. Das Ergebnis: Ruhe im Schiff, Speed von 5 auf 6,5 kn.

Die etwas quer laufende Dünung

nimmt die Baradal jetzt viel ruhiger. Schön so!

Wenn alles so gut geht, fahren wir bis ca. 🕖 so weiter und wechseln dann für die letzte Nacht auf Genua im 1. Reff. Das ist sehr entspannt und lässt alle ruhig die Nacht verbringen. Wir haben es ja nicht eilig und wollen lediglich zw. 09:00 🕘 und 15:00 🕒 in der Marina Rubicon, Lanzarote eintreffen. Ein wenig telefonieren vorab kann nicht schaden, haben wir gelernt.

14:45 Uhr Heute haben die bei der Suche und Rettung eingesetzten Flugzeuge und Hubschrauber auch AIS aktiv. Das sieht dann so auf dem Monitor aus:

Mit diesen Informationen können sich andere Schiffe leichter an einer Suche und Bergung beteiligen. Das ist doch wirklich ein Fortschritt in Richtung Sicherheit.

Wenn keine großen Überraschungen kommen, sollten wir morgen zum Sonnenaufgang Lanzarote erkennen können.

Jetzt um 18:00 🕕 ist die Entfernung bis zur Marina nur noch zweistellig. Solche Entfernungen sind überschaubar.

Der Wind schwächelt und macht die Dünung ungemütlich. Wellen aus allen Richtungen. Wir werden den Spi mal stehen lassen und dann die Situation beobachten. Runternehmen haben wir gut drauf, also überschaubares Risiko. ⛵️

Laut AIS sind wir recht einsam. Nur noch vereinzelte Frachter. Sonst nix.

19:00 🕖 sach man nix. Der Tanker Toledo Spirit (Pfeil) legt ne saubere Q-Wende hin. 😄

Tankerballett vom feinsten! Und die Fähre Albayzin ⛴ muss jetzt näher zu uns, um dem Fischtrawler auszuweichen. Wie beim Aldi auf dem Parkplatz. 😂

So, der Spi ist runter. Der Wind wurde wie immer abends unbeständig in Richtung und Stärke. Wir wollen es ruhig haben. Nur unter Genua geht es mit einem kurzen Motor- Intermezzo durch die Nacht. Um 02:30 🕝 ändert der Frachter Grande Dakar seinen Kurs, so dass er uns zu nahe kommt. Auf Funkruf reagiert er nicht. Wir weichen etwas aus. Der Klügere gibt nach!

Gleich ist Wachwechsel um 03:00 🕒 😊🙏

5. Tag

Tja, die Kanaren sind in der GB-Zeitzone. Und weil wir näher zur Küste sind, stellen sich die Handys automatisch um. Habe also eine Stunde länger geschlafen. Angenehm.

Um 07:00 🕖 deutscher Zeit sind wir hier und froh wieder online zu sein:

Jetzt fehlt noch „Land in Sicht“ und der Tag ist perfekt. Jetzt werde ich uns mal als „Lebende“ per WhatsApp melden.

13:00 🕐 So, jetzt ist der Platz in der Marina Rubicon gebucht, die Zeitumstellung erledigt ✅ und wieder auf Modus “Küstensegel“ umgestellt: Hier flitzen Jetski rum, Angler gehen auch ihrem Hobby nach und wir wieder mittendrin.

Diese Küste ist eine Wohltat im Vergleich zur spanischen Festlandsküste. Wesentlich zurückhaltender bebaut. Es gibt auch kluge Architekten!

So ein Dampfer wie MeinSchiff1 (vor Arrecife) fällt da aus dem Rahmen. Aber das ist in fast allen schönen Küstenorten so, wenn man dafür ein Pier baut. Gut, der Rubel muss rollen. Wir machen es lieber ein paar Nummer kleiner.

Es ist geschafft, wir legen am Anmeldesteg der Marina Rubicon an und werden total freundlich von den Angestellten empfangen und beim Festmachen unterstützt.

Nach kurzen Formalitäten liegt die BabyLagoon sicher in der Marina Rubicon in der Box. Das hat sie dich verdient! Anlegen war noch mal Adrenalin pur: letzte Box (H) vor dem Kai und kräftig Seitenwind.

Aber bei Skipper Udo haben wir ja was gelernt. So, nach ca 2 Stunden Arbeit (Alle Leinen gut befestigen) schmeckt das Anlegerbier.

Jetzt gehen wir gleich etwas essen und werden selig heute Nacht schlummern. Endlich kein horchen ob alles gut läuft. ENTSPANNUNG!

Ach ja, hätte ich beinahe vergessen! Ein riesen Dank geht an die Macher von Openplotter und OpenCPN !!!! Die Screeshots mit AIS stammen vom Tablet oder iPhone, das per wlan die Daten vom Raspberry pi erhält. Genial, man kann in der Koje liegen und wenn man wach wird kurz checken wo wir sind und was drum herum los ist.

Einfach genial. 😊😊😊

Und der Raspi braucht nur extrem wenig Strom und die Daten bekommt er vom AIS und der gps-Maus per USB. Und demnächst bekommt er auch alle Schiffsdaten und soll den Autopiloten ansteuern. Er kostet dabei nur ein gutes Abendessen. Verstand was willst du mehr?!

3 Kommentare zu „Überfahrt Gibraltar -> Kanaren

  1. War auch mir ein kleines Abenteuer. Freue mich schon auf die nächsten Berichte.
    Gute Fahrt .
    Harri und Wera

  2. There are some nice marinas on the river separating Portugal and Spain

    Sent using the GMX mail app

Kommentare sind geschlossen.

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