Einmal um Grenada herum

So ein Boot ist kein Haus. Keine Mauern, kein Garten. Man kann sich nicht verstecken. Vom Anderen sieht man vielleicht nicht alles. Aber man hört es. Mit der Zeit kommt die Gelassenheit.

Zu den Dingen, die man bei einer Premiere als Crew noch nicht weiß, zählt: Hält der Magen dicht? Und zwar unabhängig vom Wellengang und der Dauer der Zumutung? Sechseinhalb Stunden können sehr lang sein, wenn der Wind mit mehr als zwölf Knoten von vorn bläst. Falls ja, steigt die Gelassenheit leicht aufs Doppelte. Auch die vom Skipper und der Skipperin.

Irgendwann lagen wir dann vor Sandy Island. War das der Lohn der Angst? Wir wähnten uns in eine Ansichtskarte versetzt. Der Lobster war vorzüglich, und beim Essen hat man die Füsse im warmen, weissen Sand. Die Drinks wurden passend zum Sonnenuntergang ausgewählt.

Auf dem Rückweg nach St. Georges wussten wir um die Qualitäten der Baradal, die sich ausserordentlich stabil auf zwei Rümpfen bewegt. Ein Boot, das frei von Allüren solide durch Wellen gleitet, ist eine beruhigende Angelegenheit. Man kann sich auf die betörende Inselaussicht konzentrieren.

Oder aufs Schwimmen. In den Ankerbuchten mit einer roten Boje an der Badehose, zum Schutz vor allzu eiligen Dingis. Derart geschützt, kann man sich in einen Flow kraulen, ganz ohne Wheat.

Das Leben an Bord ist vielseitig. Man kann kochen. Oder grillen. Auch streiten. Etwa darüber, ob die dienstbaren Einheimischen freundlich an sich sind oder aus finanzieller Erwartung. Nicht jede Debatte führt zu einem Ergebnis.

Unbedingt erwähnt werden müssen die Fahrkünste der Piloten im öffentlichen Nahverkehr. Wobei es schon damit anfängt, dass der Nahverkehr zwar öffentlich stattfindet, aber privat organisiert ist. Das liefert den Schlüssel für die Fahrweise: entlohnt wird nicht pro Zeit, sondern pro Fahrgast. Mit jedem steigt der Wohlstand. Für Europäer ist alles Halsbrecherische gebührenfrei. Wir gelangten unfallfrei und sogar mit vollständigem Mageninhalt zu den sieben Schwestern. Zugänglich und beschwimmbar sind nur zwei von ihnen, ein Rätsel, dass wir leider nicht aufklären konnten.

Die Skipper haben sich bewährt, als geduldig und fehlertolerant. Auch in ihrer Eigenschaft als Hoteliers. Wir würden sie ohne Einschränkung weiter empfehlen. Aber das geht ja leider nicht. Denn ein noch so schönes Boot ist kein Haus.

Birgit und Uli


2 Kommentare zu „Einmal um Grenada herum

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  1. Supi ist halt doch ein guter Cat, und die vorberitung war wohl dass wichtigste, LOL, Euch noch gute Reise ! GLG Peter

    1. Da hast du ja einen gehörigen Beitrag zu geleistet, dass das gute Boot so schön in Schuss ist. Danke dir dafür🙏

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