Ja, wir sind gut angekommen vor George Town, Exumas. Es war ein echter ‚Gewaltritt‘, aber immer gut durchdacht und mit ordentlichen Überlegungen zum Wetter und zu den Gegebenheiten.

Der Wetterbericht, von Beat von der San Giulio ausführlich gesendet🙏, versprach beste, also ruhige Bedingungen auf dem Golfstrom für den späteren Nachmittag des 26.12. 23. Wir haben uns also für die Brückenöffnung um 15:15 Uhr angemeldet und dümpeln mit 5 anderen Booten pünktlich vor der Klappbrücke herum.
Auf geht’s und wir fahren los. Wie immer mit zwei Gefühlen: freudiger Erwartung und Beklemmung, ob alles gut vorbereitet und gut aus geht.🍀⛵ Aber so ist es nun mal, wenn man eine Strecke über große Wasserflächen macht. . . Der innere Schweinehund will überwunden werden.

Anfangs ist echt fast Flaute. Aber dann kommt etwas Wind auf und da wir etwas höher an den Wind gehen, können wir ihn gut mit den Segeln nutzen.



Es wird eine gute Überfahrt. Wir haben die nördliche Route gewählt. Die ist zwar länger, ermöglicht aber die entspannte Einfahrt auf das flache Wasser der Abacos und anschließend ruhiges Fahren geradeaus unter Autopilot. Die meisten anderen Boote motoren südlich um Abacos und Grand Bahamas rum.


Später kommt der Wind etwas stärker und wir nehmen den Spinnaker hoch.

Zusammen mit etwas Motorunterstützung geht es flott voran. Trotzdem kommen wir in dunkelster Nacht, der Mond geht gerade erst auf, in Manjacks Cay an. Gut, wir kennen die Bucht, so ist das gut machbar. Aber unbeleuchtete Ankerlieger erfordern die ganze Aufmerksamkeit. Anker runter, ein kleines Bier und die erste Nacht vor Anker in den Bahamas🌴👍⛵⚓🌈

Am nächsten Morgen, ein Katzensprung zur nächsten Insel: Green Turtle Cay. Hier wollen wir einklarieren. Dazu fahren wir mit den Dinghy in die Marina und fragen in der Rezeption nach Custom und Immigration.. ‚Der‘ Officer kommt und sie hilft uns mit ihrem gewinnenden Lächeln schnell durch den Prozess

Das Befüllen unserer Dieselkanister ist ernüchternd. 6,29 $/gl statt 4,00 $/gl in den USA. 🙈
Wir nutzen das ruhige Wetter und machen die Rifftour vor Great Guana Cay. Hier müssen wir eine Insel auf der Aussenseite passieren. Das geht nur bei ruhiger See, andernfalls werfen die Brecher einen auf die Felsen.


Nach der Aussenkante ankern zwei Megayachten im Fahrwasser. Aber wir kommen gut dran vorbei. Wir ankern wieder in klarem Wasser auf Sand und genießen einen ruhigen Abend.🍻 Am nächsten Morgen steht wieder eine lange Strecke an.

Am nächsten Tag nutzen wir den Wind und düsen bis ans südliche Ende der Abacos. Es ist etwas schade, dass wir so schöne Ziele wie Hope Town auslassen. Aber erstens wollen wir unsere Freunde, Enrita, Astrid, Ingolf und Stefan, auf den Exumas treffen und zweitens ist es kalt, Stopppersocken sind angesagt!
Die Wetterprognose ist für den nächsten Tag gut, 15kn aus nördlicher Richtung. Lediglich eine große Unsicherheit besteht: Ob es etwas regnet, Böen oder Flaute geben wird. Die Prognose verspricht, dass wir hinter der Regenfront her fahren. Aber so ist es nun mal, raus auf das Wasser und losfahren⛵⛅
Wir fahren um 6:00 Uhr los. Da ist es noch dunkel. Aber man muss eh nach den Linien auf dem Plotter fahren, denn die Passagen durch das Riff auf das offene Meer sind nicht mit Tonnen markiert. Es ist immer extrem spannend so etwas in der Dunkelheit zu machen.
Wir kommen gut durch und setzen die Genua, der Wind zieht kräftig, es geht voran. Wir wollen noch vor der Dunkelheit in Eleuthera die Einfahrt zwischen den Riffen und Inselchen machen, also Gummi geben!
Es läuft gut, nach einiger Zeit sehen wir Frachter und Tanker. Wenn sie uns zu knapp passieren sollten, funkt Cherie sie an. Die freundliche Anfrage, ob sie uns sehen, wird nett beantwortet und der chinesische Tanker macht einen großen Schlenker um uns. Wie nett!😀

Mit uns ist ca. eine halbe Stunde früher ein großer Katamaran auf den gleichen Kurs gegangen. Er fährt ohne Segel, nur mit Motor. Den Frachter von rechts ignoriert er wohl, denkt vielleicht, er hätte das Glück gepachtet. Funkt nicht, fährt stur weiter gerade aus. Aber der Frachter fährt korrekt und hält auch seinen Kurs. Das kracht🙈 denke ich. Aber im letzten Moment erkennt der Skipper die Gefahr und fährt einen Haken und kommt damit noch einmal hinter dem Tanker durch. Nä, da wollte ich nicht an Bord sein.

Wir ankern in der Dämmerung neben der San Giulio vor Spanish Wels. Es wird kurz gegrüßt, zu mehr ist die Zeit leider zu kurz. Am nächsten Morgen geht es zügig weiter. Wir wollen weiter gen Süden. Etappenziel ist Governors Harbour. Dazu müssen wir durch den Current Cut. Den kennen wir ja schon und wissen, hier muss man zur richtigen Zeit durch. Gegen die Strömung zu fahren, kann stressig sein.


Wir schauen, dass wir mit ablaufendem Wasser dort durch kommen. Ein Boot kämpft sich vor uns gegen die Strömung durch. Dann sollte es für uns flott gehen. Wir gehen mit beiden Motoren und mittlerem Tempo den Cut an.

Das gurgelnde Wasser erfasst uns, aber wir haben immer gut Druck am Ruder und können sauber durchfahren. Dahinter ist das Wasser total ruhig. Keine Welle trübt das Bild. Die Wolken machen ein einzigartiges Lichtspiel in den Farben der Bahamas.

Die Fahrt bis Governors Harbour verläuft ruhig. Wir ziehen unsere Spur durch türkises Wasser. 5 m Wassertiefe erscheinen wie 50 cm, so klar ist das Wasser hier. Am Ankerplatz ist außer uns nur ein anderer Katamaran. Nix los hier! Wir gehen mit dem Dinghy an Land. Da auflandiger Wind ist, müssen wir an den Strand fahren. Kurze Hosen wären clever gewesen. Aber wir sind noch nicht auf Wärme eingestellt. So krempeln wir die Hosenbeine hoch und kommen halbwegs trocken an Land. Wir finden eine öffentliche Mülltonne für unseren Müll und gehen noch in den Supermarkt. Ja wir sind auf den Bahamas: Es ist alles etwas einfacher und das Angebot ist reduziert. Es dunkelt schon und so verschieben wir unseren Silvester-Restaurantbesuch auf den nächsten Tag. Das stellt sich als kluge Entscheidung heraus. Denn im Dunklen und evtl. leicht angeheitert, hätte die Dinghyfahrt vom Strand zur Baradal etwas schwierig werden können 🌊. Wir haben vorsorglich ein Käsefondue an Bord. Wir genießen es und schauen ganz klassisch „Dinner for One“. Damithaben wir einen schönen Rutsch in 2024🎇🥂
Wir holen unser Essen nach und so wird es ein leckeres Neujahrs Lunch im Buccaneers Club (Piraten Club).


Gut gesättigt, machen wir uns auf die letzte Etappe zur Südspitze von Eleuthera.. Bei totaler Flaute motoren wir ruhig dahin und ankern kurz vor dem Davis Channel am südlichen Ende der Insel.




Es waren 15-20kn Wind angesagt. Aber das reale Spektrum ging von 6 – 22 kn. Da hilft nur Motorunterstützung, wenn man zu einer vernünftigen Zeit ankommen möchte. Was ist eine ‚vernünftige Zeit‘?
Erst einmal, dass wir Enrita und Ingolf noch treffen können und mit Ihnen auch plauschen können. Zweitens, und wichtiger, dass wir zu einer Zeit ankommen, in der die Konzentration für die Zufahrt in das Riff ausreicht! Also ist ein Schnitt von ca. 7 kn nötig. Das geht, erfordert aber etliche Kurskorrekturen. Der Wind ist manchmal ein echtes Luder und lässt uns zappeln. Aber gut, es klappt. Gegen 19:00 Uhr nähern wir uns in totaler Dunkelheit dem Aussenriff. Wir funken mit Gerd von der SY Off Piste, der direkt am Riff innen geankert hat. Stefan macht das AIS und die Discokugel auf der SY Intrepid Bear an. So wissen wir später wo wir hin müssen. Die Durchfahrt zum Riff steht an. Der Spinnaker ist geborgen, die zwischenzeitlich genutzte Genua wieder eingerollt, der Skipper schaut konzentriert auf den Plotter mit Radar und immer wieder nach vorne, ob da was kommt. . .

Die Zufahrt kennen wir. Erst geht es schräg süd-östlich rein, dann schnell links ab, an einem verdeckten Felsen vorbei, dann rechts in das Fahrwasser und anschließend bloß keine ankernden Boote übersehen.

Volle Konzentration und sauber auf der vorgezeichneten Linie entlang. Es schaukelt weniger, die Wellen sind gebrochen, wir sind in der Fuhrt. Jetzt Ruder nach backbord (links) und hoffen, dass die Satelliten saubere Signale senden. Jau, wir sind durch! Das Wasser wird ruhig, die Karte zeigt breite gute Wege vor. 😀👍🎇 Ein Funkruf von Stefan: Willkommen, wir laden euch zum Abendessen ein und holen euch mit dem Dinghy ab. 😀😘⛅🌴🍻⚓🌈🍀
Cherie steht mit der starken Taschenlampe vorne am Bug und passt auf, dass wir kein unbeleuchtetes Boot rammen. Die Discokugel blitzt. Wir wissen, wo die Intrepid Bear auf uns wartet und wir ankern werden. Der Anker fällt, die Strecke ist geschafft, Alles gut! 🍀


Ja, das war etwas anstrengend. Aber wir haben uns total gefreut, dass wir Enrita und Ingolf aus Aruba wiedersehen konnten. Jetzt entspannen wir erst einmal vor George Town. Das Wasser ist klar und nicht so kalt. Heute ist Juncanoo angesagt. Karneval auf den Bahamas. 🥳
Macht es gut und nehmt nicht jede Meldung zu ernst. Es hat noch immer jut jejangen. 🍀🌈