Resümee eines ersten Jahres auf Langfahrt

Nach gut einem Jahr unterwegs mit der Baradal vom Mittelmeer bis in die Karibik zeigt sich, was sich bewährt hat und was nicht.

Zuerst muss ich aber an dieser Stelle einmal einen Dank an die vielen sichtbaren und unsichtbaren Ideengeber und Mutmacher aussprechen. Die Seminare und Blogs waren eine unglaubliche Hilfe. Auch bei Lagoon möchte ich mich für das tolle Schiff und die offensichtliche Sorgfalt bei Design und Fertigung der Lagoon 380 S2 bedanken. Und auch Maurice, dem Vorbesitzer, gebührt ein Dankeschön, das Boot wurde unter seiner Hand sorgsam behandelt. Wir haben uns in diesem Jahr auf dem Schiff immer sehr behütet, sicher und komfortabel gefühlt. Die 12 Jahre merkt man ihr kaum an.

Dabei ist vielleicht auch unser Background wichtig. Wenig Segelerfahrung (3 Jahre Kleinkreuzer, binnen), viele Jahre Windsurfen und zwei Urlaube auf Katamaran mit Skipper. Nach den Urlauben stand die Entscheidung für einen Katamaran. Schnell wurde es die Lagoon 380 S2 in Eignerversion und das war eine gute Entscheidung. Kleines Boot = kleine Sorgen. Eignerversion = komfortables tägliches Leben.

Ein paar Elemente der Vorbereitung haben sich als sehr hilfreich erwiesen:

  • Scheine: SBF, Funkschein UKW und Pyroschein
  • Skippertraining auf dem eigenen Boot. War sehr hilfreich.
  • Buch „Blauwassersegeln“
  • Blauwasserseminar (Mutmacher)
  • Volvo Motorseminar (es geht immer was)
  • Seminar Medizin an Bord (schlimmer geht immer)
  • Viele Jahre Erfahrung in Schrauben und Basteln (nicht verzagen)
  • Blogs lesen (nicht die Angstmacher, Partyhelden und Problematisierer)
  • Das Boot weitgehend in Eigenleistung fit machen. Dann lernt man viele Besonderheiten kennen.
  • Coppercoat als Ersatz für Antifouling. Funktioniert soweit sehr gut. 😊👍

Fangen wir also mal mit der Ausrüstung an:

  • Anker ⚓️ scheint ein fast esoterisches Thema zu sein. Wir haben den vorhandenen CQR durch einen 25kg Bügelanker ersetzt. Hält super auf Sand. Seegras ist nicht seine Stärke. Wir haben dann auf Rocna 25kg gewechselt. Der gräbt sich auch bei Seegräsern tief ein, da der Bügel weiter ist und die Flächen etwas größer. Hier in der Karibik ist meist Sand oder Geröll. Da hält fast alles mit Qualitätsanspruch. Unsere Kette haben wir gewechselt auf 100 m 10 mm verzinkt. Etwas weniger Länge hätte es auch getan. Aber 50 m wären etwas sehr knapp gewesen.
  • Satellitensystem IridiumGO ist einfach super auf Passage. Man braucht auf Plastikbooten die Aussenantenne nicht. Die SIM-Karten für ca. 130€/Monat mit Datenflat sind erste Wahl. Wir aktivierten für drei Monate und hatten Zeit zum Einarbeiten. Nicht zu unterschätzen, wenn man Tracking, Wetter, email und Zeitung unterwegs beherrschen will. Der Blog von der Passage zeigt was gut geht. Empfang unterwegs immer super, im Hafen oft mäßig mit Unterbrechungen.
  • Internet und Handy: wir haben auf Martinique eine sim-Karte von Digicel erworben. Diese gilt in Europa und fast allen Karibikinseln, sogar mit LTE! 30GB/M und Teleflat für 40€/M. Ist super und macht das Leben entspannter. Dazu kommt WhatsApp und Facebook. Beides notwendig um die aktuellen Infos und Klatsch und Tratsch mitzubekommen.
  • AIS-Transponder. Es ist eigentlich nicht verständlich, dass es heute noch Boote ohne aktives AIS gibt. Die Kosten sind nicht das Thema. Sehen und gesehen werden ist das Thema. Besonders die Berufsschiffahrt tut sich so leichter.

Radar

    , ja ist auch hilfreich. Es hilft bei schlechtem Wetter und zeigt Squalls frühzeitig an. Der intermittierende Modus (alle 3min) spart Energie. Üben ist sinnvoll.
    UKW Funke braucht man für Marinas und um Schiffe auf Kollisionskurs anzusprechen.

Scheine

    hat bisher keiner sehen wollen. Aber ein SRC und der Sportbootführerschein See sind sicher sinnvoll. Ansonsten sind die deutschen Segelscheine vom Lehr- und Prüfstoff realitätsfern. Niemand fährt hier mit Papierkarten rum und fahren ohne aktuelle elektronische Seekarten ist bekloppt und macht niemand, den wir getroffen haben. Von Schulschiffen mal abgesehen. Heißt aber nicht, das z. B. ein Törn mit dem DHH oder ähnlichem nicht sinnvoll wäre. Die lehren super Hafenmanöver und Schiffshandling, wie wir in Lanzarote bewundern durften.
    Navionics auf Tablet und Handy und Opencpn auf Raspberry (openplotter) sind sehr hilfreich und wirken sehr entspannend. (Redundanz). Beides braucht wenig Energie!
    Viele usb-Steckdosen im Schiff sind wünschenswert, denn IridiumGO, Tablets und Handys brauchen Saft. Die Gästekabine nicht vergessen! Und immer an die Sicherung denken.

Brandschutz

    ist wichtig. Wir haben Rauchmelder in den Kabinen, kleine Feuerlöscher ebenfalls. Einen großen Löscher im Deckshaus samt Löschdecke für den Herd. In den Motorräumen sind Automatiklöscher montiert.
    Ebook-reader, ohne diese Wunderkisten geht gar nicht!

Epirb

    und AIS-mob für die aufblasbare Rettungsweste finden wir gut.

Spinnaker

    ist für die Atlantikpassage mit Katamaran super. Es muss nicht der teure Parasailer sein, da das Segel auf dem Kat auch so einfach zu handhaben ist (Skippertraining)

Sonnenschutz

    ist unabdingbar! Je größer desto besser. Die Sonne kommt am Ankerplatz immer über die rechte Seite. Hier muss auch von dieser Seite ein windfester Schutz seitlich nach unten vorhanden sein!
    Regenschutz ist wichtiger als gedacht. Die Inseln sind grün weil es dort oft regnet.

Wassermacher

    ist einfach super 👍 Unser Selbstbau hat sich bewährt, was man von teuren Fertiggeräten nicht immer behaupten kann. Der Bausatz von Rainer ( https://watermaker.jimdo.com/warum-ein-kärcher/ )ist erste Sahne! Zwei Hinweise: Wasserzulauf an tiefster Stelle (Wellen erzeugen sonst Luft und Dreck schwimmt meist oben auf der Wasseroberfläche), Trinkwasser wird bei uns separat in Trinkflaschen und Kaffeewasser in Kanister abgefüllt und immer nach dem Erzeugen von Frischwasser die Anlage mit Süßwasser spülen! Mehr Leistung (Süßwasser/kWh) ist immer gut. Unter 50l/h ist fragwürdig . Und der Kärcher K2 ist natürlich super zum Reinigen des Bootes einzusetzen. Versuch das mal mit Echotec oder anderen bewährten Wassermachern.
    Elektrizität ist vielleicht heute das wichtigste Thema an dem sich lust und Frust trennen. Die Boote sind i. d. R. gut gemacht und schwimmen.

Solarpaneele

    • je größer (Leistung) desto besser. Wir haben 3×300 W (nominell) Monokristallin, Standardware. Mit

MPPT-Regler

    (Victron) läuft es sehr gut. Trennschalter zwischen Paneele und Regler sowie Batterien sind sinnvoll.

Batterien

    sind wichtige Elemente. Hier gilt es die richtige Balance zwischen Gewicht und Kapazität zu finden. Wir haben etwas über 400 Ah. Mehr Gewicht wollten wir nicht.

Sterlingregler

    an Lichtmaschine machen aus dem Bordsystem hervorragende Energielieferanten und Ladegeräte für die Batterien.

Inverter

    haben wir mit 2,5 kW Leistung installiert. Es ist ein s. g. Inselsystem und hat auch Laderegler, Bypass für Landstrom und Solarregler integriert. Weniger Leistung wäre falsch gewesen. Man muss die Abwärme beachten. Ein PC-Lüfter in der Bettkiste (Montageort) läuft permanent und hält Stauwärme von der Leistungselektronik fern.

Batteriebalancer

    (Ladeverteiler) haben wir upgraden (2x150A) müssen, da wir mehr Leistung aus den Ladesystemen (Lichtmaschinen) ziehen als vom Hersteller Lagoon kalkuliert werden konnte. Klar, aber ein Aha-Erlebnis (Blog). Und jetzt läuft alles super.
  • Verkabelung und Steckdosen haben wir auch angepackt. Neben usb-Dosen gibt es ein paar mehr 230V Steckdosen. Wir haben elektrische Zahnbürsten und die wollen ab und an Strom. Alle Kabel in separaten Kabelschutzrohren verlegt.
  • Küche ist eigentlich ein Thema für sich. Wir haben neben dem eingebauten Kühlschrank noch eine Kompressorbox für Getränke. Den Kühlkreislauf für den eingebauten Kühlschrank haben wir 1. gereinigt (Flusen am Wärmetauscher) und 2. mit einem PC-Lüfter auf der Abwärmeseite optimiert.
  • Bis auf die Atlantikpassage haben wir sehr selten Gas zum Braten und Kochen im Einsatz. Bei uns läuft eine Induktionsplatte auf dem mit einem Holzbrett abgedeckten Gaskochfeld. Damit wird meist gebraten. Kochen und Brotbacken erledigt unser Russell Hobbs 21850-56 Multicooker,

ein elektrischer Universalkocher. Super und energiesparend.

  • Und dann lieben wir unseren kleinen Kaffeevollautomaten wegen des leckeren ☕️ zu jeder Zeit und bei jeder See- und Wetterlage. Später kam noch ein Toaster hinzu, das Baguette schmeckt nach einem Tag sonst wie Gummi. Und dann gibt es noch den Omnia Backofen, den wir lieber als den eingebauten Backofen nutzen. Über so sinnvolle Geräte wie Pürrierstab, Handmixer, Küchenwaage, Salatschleuder, scharfe Messer etc. braucht man nicht schreiben. Die hat man eh, oder?
  • Wir vermissten einen Eiswürfelmacher. Kleine Maschine aber echter Luxus zum Sundowner 🍹. Ist jetzt an Bord und eine Bereicherung 🥤
  • Weiter gehts mit den Toiletten. Die Gästetoilette ist elektrisch. Das verhindert manch eine blöde Situation. 😎
  • Fahrräder oder Tretroller (elektrisch?) können beim Aufenthalt in der Marina sehr klasse sein. Z. B. in Cartagena haben wir unser elektrisches Klapprad sehr genossen, der Decathlon ist weit draußen im Industriegebiet.
    • Werkzeug 🧰 kann man nie genug haben. Ich komme nicht aus der Bootsbauerszene deshalb sieht das bei mir evtl. anders aus als bei anderen Langfahrern.
    • Kabelbinder (schwarz: UV-stabil)
    • Knetepoxy für schnelle Aktionen
    • Akkuschrauber 18V + Ersatzakku
    • Akkuflex, (Aldi) die trennt zur Not auch die 12 mm Wanten
    • Kleiner, mobiler Bohrständer und Schraubstock, Bohrer und Gewindeschneider, großer Lochschneider, Gripzangen
    • Knarrenkasten, div. Engländer, gutes Sortiment Schraubschlüssel, kleiner Akkuschrauber mit Winkelvorsatz und Zubehör (Lidl), Universaldeltaschleifer, Akkubaumsäge (Lidl) mit Sägeblätter für Metall und Holz in grob und fein.
        Werkzeugkoffer Brüder Mannesmann

    • Schlagschrauber, Drehmomentschlüssel, Nietzange (große!!!), Feilen und Kunststoffhammer
    • Lötzeugs, Strommesszange, Multimeter, Krimpzange für Steckkontaktschuhe etc.
    • WD40, Teflonspray, Marine-Fettspray, Kontaktspray, Entroster, Industriereiniger, Gelcoat incl. Spachtel und Schleifpapier, div. Klebebänder und Abdeckbänder.

    Das sind die wichtigsten Vertreter, alle häufig gebraucht.

    • Dann gibt es ja manchmal die Notwendigkeit, größere Geldbeträge in Fremdwährung zu überweisen. Z. B. Liegeplatz. Das machen wir mit TransferWise. Das geht schnell, transparent und kostengünstig
    • Paketversand ins Ausland oder aus dem Ausland nach Deutschland erfolgt sehr schnell und preisgünstig über Transglobalexpress.

    Was würden wir heute anders machen?

    • Konserven braucht man von Europa bis in die Karibik definitiv nicht. Es gibt jede Menge frische und haltbare Lebensmittel unterwegs zu kaufen! Wir haben uns da von anderen Seglern verrückt machen lassen. Braucht man in der Karibik mal was Spezielles gibt es das z. B. auf Martinique! Ansonsten kaufen wir lokal. Das hilft auch den hier lebenden Menschen.
    • Es spricht natürlich nichts dagegen lokale Besonderheiten zu bevorraten. Z. B. spanischen Schinken oder Pastis oder, oder, oder. Aber bitte keine Mengen an deutschen Konserven, es sei denn man lebt auch daheim von sowas. Aber die Geschmäcker sind verschieden und erlaubt ist was gefällt.
    • Bewährt haben sich Backmischungen für Brot 🍞 die variieren wir mit Oliven oder Rosinen oder Tomaten. Leckere Varianten. Die Mischungen gibt es auch unterwegs zu kaufen. Aber mittlerweile geht es auch super gut mit eigenen Kreationen.
      Ein gutes Dingy mit starkem Motor macht das Leben oft leichter. Für manchen Strandbesuch ist ein Kayak gut geeignet.
      Was noch hilft sind Sortimentkästen mit Dichtungen, O-Ringen, Schrumpfschlauch, Inoxschrauben, Inoxmuttern etc.
    • Ach ja, wir haben uns zu oft durch Aussagen wie: da darf man nicht hin ohne Permit, das ist überfüllt, es gibt dort keinen Platz, unfreundliche Leute, etc. abhalten lassen ein paar Inseln zu besuchen. Alles Quatsch! Wir haben bisher nur nette und hilfsbereite Leute und Behördenvertreter getroffen. Aber hier könnte das Wort vom Wald und wie es rausschallt zutreffen. Wir versuchen immer freundlich, geduldig und respektvoll zu sein. Bisher hat das funktioniert.
    • Aber trotzdem, wir schließen unser Boot immer ab wenn wir es verlassen oder schlafen gehen und das Dinghy wird jeden Abend hochgezogen und gesichert.

    Kleidung ist so eine Sache. Auf den Kanaren war es recht kühl. Da haben wir wärmere Kleidung gekauft. In der Karibik ist es wirklich warm und T-Shirt und Shorts sind Standard.

    Ach ja, es hilft sehr, wenn man beim Immigration und Zoll in gepflegter Kleidung und sauber auftaucht. Es ist eine Geste des Respektes.

    Was war schwierig? Ja, wir lieben frisch gemahlenen Kaffee. Aber Kaffee als Bohnen, also ungemahlen und nicht in Alutöpchen verpackt, das war in der Karibik bisher nur auf Martinique zu normalen Preisen im Handel. Sonst gibt es nur gemahlenen Kaffee oder Instantkaffee.

    Knopfzellen z. B. 2032 haben wir nicht bekommen. Nehmen wir jetzt ein paar von zuhause mit.

    Normale Batterien gibt es aber reichlich.

    Ach ja. Adapter für Wasserschläuche an Wasserhähne, da sollte man für fantasievollen Vorrat sorgen.

    So ich hoffe, dass dies vielleicht jemanden in der Vorbereitung hilft.

    Nur Mut, es ist eines der schönsten Abenteuer unserer Zeit. Und wie wir feststellen konnten, kommen Segler jeden Alters und mit den unterschiedlichsten Booten übern Teich. Die Frage, die man sich ehrlich beantworten muss ist, was will man sich und seinem Partner an Komforteinbußen zumuten. Wir haben den Komfortlevel recht hoch angesetzt.

    365 Tage an Bord sind eine lange Zeit und die sollte für uns so sicher und angenehm wie möglich sein. Deshalb haben wir uns für die BabyLagoon entschieden und diese gut ausgestattet. Wir sind völlig begeistert von dem Boot. Und wenn man das Unterwasserschiff sauber hält, ist sie echt flott.

    Was noch wirklich wichtig ist, Lust und Fähigkeit zum Basteln und Reparieren mitbringen. Die Servicebetriebe sind durchweg teuer und oft von zweifelhafter Kompetenz. Selbst mit viel Geld lässt sich Frust sonst nicht vermeiden. Ach ja; auch da habe ich mir zur Regel gemacht: eine Aufgabe (Service) am Tag reicht. Sonst artet es in Arbeit aus. Aber wenn das Boot gut vorbereitet ist und man Defekte frühzeitig behebt kommt man damit gut hin.

    ⛵️⚓️🌴🏝💨😎

    3 Kommentare zu „Resümee eines ersten Jahres auf Langfahrt

    1. Hallo auch aus Aachen. Sensationell. Toller Abschlussbericht! Hut ab.

      Beste Grüße von Helmut

      Bis die Tage…

    2. Na sooo … jetzt weiss ich was ich brauche … 😁😁😁

    3. Na Ihr zwei Herzlichen Glückwunsch zum 1 jährigen, Ganz liebe Grüsse und noch eine sichere schöne Weiterfahrt, Peter

    Kommentare sind geschlossen.

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